
Von Kent Shah

1975 gründete der Druckfarben-Spezialist Ron Barry in den USA die Firma »Color Converting Inc.« (CCI) und begann in Des Moines, der Hauptstadt des Bundesstaats Iowa, mit der Produktion von Farben für den Verpackungsdruck. Drei Jahre später beschäftigte CCI bereits 14 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von rund einer Million US-Dollar. In den ersten Jahren verkaufte CCI 90 Prozent seiner Druckfarben in Iowa und den angrenzenden Bundesstaaten des Mittleren Westens. Aber bereits 1978 schmiedete die Unternehmensleitung Expansionspläne und nahm den gesamten US-Markt ins Visier.
Die Geschäftsleitung von CCI entschied sich für ein Portfolio von Spezialprodukten und investierte in die Entwicklung von Druckfarben für hochwertige Verpackungen, die eine große Bandbreite von Anwendungen abdeckten. 1979 führte CCI bei American Can in Des Moines zwei wichtige neue Produkte ein: zum einen »Colorgloss«, eine Polyamid-basierte Druckfarbe für den Oberflächendruck auf Polyethylen-Tüten. Was Glanz und Stabilität bei niedrigen Temperaturen betraf, war »Colorgloss« den Produkten der beiden größten Konkurrenten Sun Chemical und Inmont überlegen. Zum anderen brachte CCI Druckfarben mit fluoreszierendem Effekt auf den Markt, mit denen Polyethylen-Schutzverpackungen für Küchentücher bedruckt wurden. Die Kombination aus weißen und fluoreszierenden Farben ermöglichte im Flexodruck zweimal so hohe Druckgeschwindigkeiten wie bei den Konkurrenzprodukten. Bei American Can erprobte CCI auch das Konzept, Mitarbeitern einen Arbeitsplatz direkt beim Kunden in der Farbversorgung einzurichten (In-House).
1981 waren auch andere Formulierungen praxisreif und CCI konnte mit neuen Produkten den Markt aufrollen. Die wichtigste Produktgruppe waren Druckfarben für die Kaschierung unter dem Namen »Colorbond«, die 1982 von der verbesserten und erweiterten Linie »AXL« für Adhäsions- und Extrusionslaminierung abgelöst wurden. Wegen seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses wurde AXL zum Wachstumsmotor für CCI und sorgte in dieser Zeit für die Hälfte des Umsatzes. »AXL« wurde ergänzt durch Frontaldruckfarben für tiefgekühlte Lebensmittel, besonders hitzebeständige Farben für Kaffeeverpackungen namens »Colortherm« sowie die erwähnten fluoreszierenden Farben für die Umverpackungen von Kosmetiktüchern und Papierhandtüchern. Außerdem entwickelte CCI mit »Colorflex« und »Colortone« eine wasserbasierte Druckfarbentechnologie für mehrlagige Papiertüten.
1983 war dem Newcomer CCI der Durchbruch gelungen. Mit technischem Know-how und robusten, anwenderfreundlichen Qualitätsfarben hatte sich das Unternehmen einen guten Ruf erarbeitet und wurde von zufriedenen Kunden empfohlen. Als qualifizierter Zulieferer der großen Verpackungsdrucker wie American Can, Bemis, Cyrovac und Printpack konnte das Unternehmen weiter wachsen.
Dieses Wachstum war allerdings nur möglich, weil das Unternehmen nicht nur Farben, sondern auch zahlreiche Dienstleistungen um das Kernprodukt herum offerierte. Um die Kundenbindung zu verbessern, bot CCI in den Druckereien Seminare zu Spezialthemen wie Adhäsionstheorie, Oberflächenverhalten von Folien und Verbesserung der Druckfarbenleistungen an. Auch die Argumente für und wider den Einsatz von wasserbasierten Druckfarben für Folien wurden mit den Druckern diskutiert. So belieferte CCI die Industrie nicht nur mit hervorragenden Produkten, sondern entwickelte sich darüber hinaus auch zum zuverlässigen technischen Partner seiner Kunden.Der nächste Meilenstein war die Einführung eines Rezeptiersystems. Damit konnten die Druckereien die Farbkonzentrate vor Ort je nach Auftrag selbst anmischen. Diese universell anwendbaren Dispersionen reduzierten die Lagerbestände der Kunden, sparten Produktionszeit und erlaubten den Druckereien eine Just-in-time-Lieferung. Ein weiterer Pluspunkt für CCI im schnellen und dienstleistungsorientierten US-Markt.
Mit einem verbesserten Ink Management System (IMS) für die Druckereien verfeinerte das Unternehmen 1997 die Dienstleistungen vor Ort, was wesentlich zur Bindung und zur Gewinnung von Kunden beitrug. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich CCI zu einem der wichtigsten nationalen Anbieter für Verpackungsdruckfarben entwickelt. Mit der neuen Farbe »Weathertuf«, einer Formulierung mit hoher Beständigkeit gegenüber Licht, Hitze und Feuchtigkeit für Produkte, die im Freien gelagert werden, behauptete CCI die technologische Marktführerschaft auch in diesem Segment.
Ende 1999 nahm CCI eine hochmoderne, 30.000 Quadratmeter große Farbenfabrik in Des Moines in Betrieb. Um die Nachfrage nach Druckfarben mit konstanter Produktqualität zu erfüllen, hatte das Unternehmen 18 Millionen US-Dollar investiert und setzte neue Standards in Sachen Effizienz, Umweltschutz und Abfallreduzierung. Mit der Übernahme der Unternehmen Timco Ink und Prism Ink ergänzte CCI sein Portfolio um neue Technologien und Märkte. In der Produktentwicklung kamen Impulse aus der Zusammenarbeit mit Zulieferern der Druckbranche wie den Herstellern von Papier, Folien oder Druckplatten.
In der Abteilung Forschung und Entwicklung arbeiteten die Mitarbeiter daran, bestehende Produktlinien zu verbessern und neue Druckfarben für anspruchsvolle Anwendungen zu schaffen. So wurde beispielsweise die »Sealtech«-Familie um neue Formulierungen für den Flexo- und den Verpackungstiefdruck erweitert. Ein beliebtes Spezialprodukt war die phosphoreszierende Druckfarbe »Glow-in-the-Dark«.
2003 wurde das Unternehmen von Siegwerk erworben, das CCI schon seit Jahren kannte und auch schon länger mit dem Unternehmen in Verhandlungen stand. Zu dieser Zeit wuchs CCI jährlich um sieben Prozent und baute den Marktanteil in den USA stetig aus. Während Siegwerk mit dieser Akquisition die Internationalisierung des Geschäfts vorantrieb, versprach sich CCI von der Übernahme eine verstärkte globale Präsenz der Produkte und die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. Ron Barry schied nach dem Verkauf seiner Anteile aus dem Unternehmen aus. Die anderen Mitglieder des früheren Managements blieben in ihren Positionen, ergänzt durch einige Führungskräfte von Siegwerk, die in die USA übersiedelten.
Der Autor, Kent Shah, baute bei CCI den technischen Bereich auf und ist heute in der NAFTA-Region von Siegwerk in leitender Funktion tätig.