Wandel der Branche, Umbau des Unternehmens
Bis Mitte der 1990er Jahre war die europäische Druckfarbenindustrie von einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen geprägt, die überwiegend national ausgerichtet waren. Der Markteintritt des japanisch-amerikanischen Konzerns Dainippon Ink/Sun Chemical leitete die Wende ein. Kurz darauf entschloss sich auch das große US-Unternehmen Flint, in Europa aktiv zu werden, und initiierte endgültig die Konsolidierung der Branche. Dainippon/Sun kaufte bis 2005 mehr als 150 Unternehmen. Gleichzeitig trennten sich große Chemieunternehmen wie Akzo Nobel, Elf Acquitaine und BASF von ihrem Druckfarbengeschäft.

- Vollautomatisch – Die neue Offsetproduktion wird zukünftig bis zu 60.000 Tonnen Farbe pro Jahr herstellen.
Einer der wesentlichen Gründe für diesen Konzentrationsprozess war die Formierung großer, international tätiger Unternehmen auf Kundenseite vor allem im Verpackungsdruck, aber auch im Printmediengeschäft, die weltweit einheitliche Produkt- und Servicequalität erwarteten.
Siegwerk hatte sich in den 1990er Jahren durch einen Ausbau des Europa- und USA-Geschäfts bereits stärker international ausgerichtet und war auf die grundlegenden Veränderungen auf dem Druckfarbenmarkt vorbereitet. Infolge des gewaltigen Wachstums war die Zahl der Mitarbeiter am Standort Siegburg bis 1995 auf 1.200 angestiegen. Der Umsatz lag bei 700 Millionen Mark. Angesichts dieser rasanten Entwicklung entschlossen sich die bis dahin persönlich haftenden Gesellschafter Hans Alfred Keller und sein Sohn Alfred Keller, Siegwerk in eine GmbH & Co. KG umzuwandeln. Das Unternehmen erhielt einen neuen Verwaltungsrat.
Alfred Keller war seit 1988 persönlich haftender Gesellschafter und übernahm die Leitung des Kontrollgremiums. Er erkannte schnell, dass Siegwerk seine internationalen Aktivitäten verstärkt ausbauen musste, um angesichts des schnellen Konzentrationsprozesses in der Branche und des Fortschreitens der Globalisierung bestehen zu können. Als Geschäftsführer Dr. Klaus Stammen in den Ruhestand ging, fand Alfred Keller in Herbert Forker einen Nachfolger mit großer Erfahrung im internationalen Geschäft. Der neue Geschäftsführer übernahm am 1. Juli 1999 ein solides Unternehmen, das sich jedoch schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen musste. Nach einer intensiven Analyse des Status quo entschied Forker sich für ein Zwei-Phasen-Modell: Nach einer Umstrukturierung im Inneren sollte Siegwerk anschließend einen Internationalisierungs- und Expansionskurs einschlagen. Dabei ging er davon aus, dass der zentraleuropäische Markt in den kommenden Jahren eher stagnieren würde. Als zukünftige Wachstumsmärkte sah Forker Asien, Südamerika und die NAFTA-Region (Kanada, USA und Mexiko) an.

- Augenmerk auf Ausbildung – Regelmäßig lädt CEO Herbert Forker junge Mitarbeiter zum Gedankenaustausch beim Mittagessen ein.
Die neue Strategie von Siegwerk wurde in einem 10-Punkte-Programm festgeschrieben. Unter den drei Oberkategorien »Wachstum und Fokussierung Verpackung«, »Wachstum und Portfoliobereinigung Print« sowie »Neuorganisation und Professionalisierung der Struktur« wurden die zehn Punkte in den folgenden Jahren Schritt für Schritt abgearbeitet.
Um die Ziele erreichen zu können, stellte Forker gezielt jüngere Manager aus international agierenden Konzernen für Führungspositionen ein. In wenigen Jahren entstand eine effiziente Organisation, die den Vorstand mit den Vorlagen für die unternehmerischen Entscheidungen versorgte und diese anschließend erfolgreich umsetzte.
10-Punkte-Programm |
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Ziel | Aktionen |
Wachstum und Fokussierung Verpackung | - Internationale Expansion Verpackungstiefdruck und
-flexodruck - Einschränkung UV-Farben und fokussierte Fortführung Wasserfarben
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Wachstum und Portfoliobereinigung Print | - Marktkonformes Wachstum Illustrationstiefdruck und Rollenoffset (Headset und Coldset)
- Forcierung Hottech
- Ausstieg Bogenoffset
(seit 2005 wieder im Portfolio)
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Neuorganisation und Professionalisierung der Struktur | - Effiziente Organisation
- Einführung von Kontroll- und Steuerungsgrößen
(KPIs) - Einkaufspotenzialerschließung
- Verbesserung operative Marktbearbeitung
- Produktivitätssteigerung
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An der Schwelle zum neuen Jahrtausend
Siegwerk verfügte an der Schwelle zum neuen Jahrtausend über gute Voraussetzungen, um das Unternehmen langfristig erfolgreich zu machen: hohe Kompetenz rund um Druckfarben und Druckprozesse, Reputation bei Großkunden und Marktpartnern und einen zentraleuropäischen Standort, der aufgrund seiner Skaleneffekte einmalig in der ganzen Druckfarbenbranche ist. Immer häufiger entschied jedoch eine andere Dimension über den Zuschlag für einen wichtigen Auftrag: lokale Verfügbarkeit von Produkt und Service auf der ganzen Welt. Hier hatte Siegwerk außer der Tochterfirma in den USA wenig zu bieten. Darum setzte sich die Geschäftsführung bereits 2000 das Ziel, schnellstmöglich Kunden global beliefern und betreuen zu können.

- Qualität weltweit – Eine Siegwerk-Mitarbeiterin in Thailand prüft eine Druckfarbenprobe.
Nachdem die »Hausaufgaben« der bestehenden Organisation auf Basis des 10-Punkte-Programms in Angriff genommen waren, machte sich Forker als ersten Internationalisierungsschritt im Wachstumsmarkt Asien auf die Suche nach einer möglichen Akquisition. Erste Initiativen waren vorher bereits gestartet worden. Noch im gleichen Jahr wurde die Siegwerk Ink (Thailand) Ltd. in Bangkok als Kompetenzzentrum für den asiatischen Markt eröffnet. Da Thailand viele Nahrungsmittel exportiert, schien der Markt für den Verpackungsdruck groß und dementsprechend auch die Nachfrage nach Verpackungsdruckfarben. Die Wachstumsraten lagen im Jahr 2000 in Asien im zweistelligen Prozentbereich. Der Qualitätsstandard der Verpackungen glich sich, getrieben durch die großen Markenunternehmen in den Bereichen Nahrungsmittel und Hygiene, zunehmend dem Niveau der industrialisierten Länder an. Siegwerk setzte sich das Ziel, von Bangkok aus Produkte und Serviceleistungen in die umliegenden Länder zu verbreiten.
2001 fiel die Entscheidung, auch den osteuropäischen Markt in Zukunft mit einer eigenen Gesellschaft vor Ort zu bedienen. Ein Jahr später nahm Siegwerk Polska in der Nähe von Warschau den Betrieb auf. Grundfarben, die aus Siegburg geliefert wurden, konnten durch moderne Dosiertechnik vor Ort schnell auf die Kundenwünsche abgestimmt werden. In Siegburg standen Mitarbeiter, die mit der polnischen Sprache und Kultur vertraut waren, in ständigem Kontakt mit den Warschauer Kollegen. Der Gründung von Siegwerk Polska folgten im Jahr 2002 weitere Bausteine im Internationalisierungskonzept: Siegwerk UK in Golborne bei Manchester in England, Siegwerk Tintas Graficas im nördlich von Lissabon gelegenen Venda do Pinheiro in Portugal sowie Siegwerk Tintas Graficas in Sao Paolo in Brasilien nahmen den Betrieb auf.
Im August 2002 erfolgte zudem eine Änderung der Gesellschaftsform. Aus der »Siegwerk Druckfarben GmbH und Co KG« wurde die »Siegwerk Druckfarben AG«, da Kapitalgesellschaften in Deutschland eine höhere Reputation genießen und in vielerlei Hinsicht wirtschaftlicher agieren können. Die Unternehmensanteile verblieben in den Händen der vorherigen Eigentümer.
Ein hohes Innovationsvermögen und eine ausgeprägte Dienstleistungsmentalität motivierter Mitarbeiter hatten Siegwerk jahrzehntelang eine gesicherte Marktposition garantiert. Auch im neuen Jahrtausend blieb das Unternehmen auf der Höhe der Zeit: Neue Verpackungsformen, wie die von Siegwerk-Chemikern mitentwickelten Standbodenbeutel, sorgten für bessere Verpackungseffizienz entlang der Wertschöpfungskette bei gleichzeitig sinkender Abfallrate. Im Umweltschutz entwickelte Siegwerk zusammen mit Kunden bereits vor Produktionsbeginn tragfähige und ökonomisch sinnvolle Recycling-Konzepte und die dazu passenden Farben.
Alfred Keller und Herbert Forker
Alfred Keller – Im Verwaltungsrat stellt der Hauptanteilseigner die Weichen für den neuen Kurs des Familienunternehmens Siegwerk.
Alfred Keller hatte nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg umfassende Auslandserfahrung gesammelt, unter anderem bei Kunden in den USA und Frankreich. Auch sein Vater war auf diese Weise auf seine späteren Aufgaben vorbereitet worden. Mit der Übernahme der Verwaltungsratsspitze 1995 stellte sich für Alfred Keller die Frage der Nachfolgeregelung für den Geschäftsführer Dr. Klaus Stammen, der damals bereits 65 Jahre alt war. Alfred Keller erkannte frühzeitig, dass der Mitte der 1990er Jahre einsetzende Wandel des Marktes und die dadurch veränderte Wettbewerbsposition ein neues Managementprofil erforderten. Während in den Jahrzehnten zuvor noch die Herstellung und zeitnahe Auslieferung wettbewerbsfähiger Produkte sowie guter Kundenservice im Mittelpunkt der Firmenstrategie standen, wechselte der Fokus auch im Nischenmarkt Druckfarbe endgültig auf die Themen Internationalisierung, Marketing-, Kommunikations- und Verkaufsstrategie.
Herbert Forker – Schritt für Schritt machte der international erfahrene Top-Manager aus dem »alten« Siegwerk eine globale Unternehmensmarke.Herbert Forker erfüllte die Anforderungen an die Geschäftsführung der Zukunft, weil er trotz seines vergleichsweise jungen Alters von 42 Jahren 1999 bereits umfassende Erfahrungen in der Leitung international tätiger Unternehmen gesammelt hatte. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der European Business School mit Stationen in Paris und London hatte er seine Kariere beim Nivea-Produzenten Beiersdorf in Hamburg im Controlling-Bereich begonnen. Nach einigen Jahren in der französischen Beiersdorf-Landesgesellschaft in Paris übernahm er 1990 erstmals als Geschäftsführer ein Tochterunternehmen des Konzerns alleinverantwortlich. Vier Jahre später beauftragte ihn der Beiersdorf-Vorstand mit der Leitung der mexikanischen Tochtergesellschaft, 1997 wechselte er in die USA. Forker reizte die Aufgabe, ein mittelständisch geprägtes Traditionsunternehmen zu einem Global Player zu entwickeln. Schon nach kurzer Zeit erkannte er den Umstrukturierungsbedarf des Unternehmens.
Neue Herausforderungen für den Printbereich
Das Internetzeitalter zwang die Publikationsbranche zu einem tiefgehenden Umdenken. Printprodukte sahen sich der zunehmenden Konkurrenz elektronischer Medien ausgesetzt. Schon zuvor hatte das Geschäft mit Druckfarben für Illustrationstiefdruck und Rollenoffsetdruck über Jahre unter einem kontinuierlichen Preisverfall gelitten. Der wirtschaftliche Druck der Kunden verschärfte die Situation weiter.

- Tradition Tiefdruck – Siegwerk-Tiefdruckfarben verleihen Magazinen und Katalogen seit Jehrzehnten Glanz.
Unter den Tiefdruckereien kam in Europa rasch ein Prozess der Konzentration und Konsolidierung in Gang. Die Siegwerk-Verantwortlichen setzten sich das Ziel, die Technologieführerschaft weiter auszubauen. Darum wurde am Standort Siegburg ein eigenes Illustrationstechnikum aufgebaut, um die Dispergiertechniken weiter zu verbessern.
Die besonderen Anstrengungen in Forschung und Entwicklung sowie ein nach wie vor einzigartiger Kundenservice führten dazu, dass die Geschäftspartner auf die Siegwerk-Qualität zählen konnten und das Unternehmen im Gegenzug auf die Treue der Kunden. Dazu gehört nach wie vor der Großabnehmer Burda und dessen Tiefdruckereien im Stammhaus in Offenburg, in Vieux-Thann in Frankreich und in Bratislava in der Slowakei. Im Jahr 2002 wurde ungefähr die Hälfte der weltweit erscheinenden 235 Burda-Magazintitel, die im Jahr 44 Millionen Menschen erreichen, mit Siegwerk-Farben hergestellt.
Im Rollenoffset, dem zweiten Bereich des damaligen Unternehmensbereichs Print, konnte Siegwerk konstantes Wachstum verzeichnen – aber auch konstanten Preisverfall. Der Verdrängungswettbewerb war durch neue Anbieter – beispielsweise aus Indien – weiter verschärft worden. Das galt nicht nur für die Produktion von Druckfarben, sondern auch für die Druckprojekte selbst, so dass viele Siegwerk-Kunden ums Überleben ihrer Firma kämpften. Siegwerk ging in die Offensive und setzte viel Zeit und Energie ein, um auf Basis einer konsequent umgesetzten Strategie konsequentes Wachstum im Heatset und Coldset in die Tat umzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Tiefdruck konnten dabei Synergieeffekte erzielt werden – auch im Geschäft mit internationalen Kunden. Als beispielsweise in Brasilien mit einem Hauptkunden ein neuer Vertrag über Illustrationstiefdruckfarben geschlossen wurde, konnte dieser mit einem Vertrag über Offsetfarben gekoppelt werden.
Der Kauf von »Color Converting Inc.«
Wie im 10-Punkte-Programm geplant, prüfte der Siegwerk-Vorstand ab 2003 parallel zum Aufbau eigener Auslandsgesellschaften die Möglichkeit von Firmenzukäufen. Nachdem sich Verhandlungen mit einem europäischen Wettbewerber zerschlagen hatten, rückte sehr schnell der nordamerikanische Markt in den Fokus. Hier lockte vor allem die Möglichkeit, weltweit agie-rende Verpackungskonzerne auch in dieser wichtigen Region beliefern zu können. Nach intensiven Verhandlungen konnte Siegwerk schließlich den Druckfarbenhersteller »Color Converting Inc.« (CCI) in Des Moines im Bundesstaat Iowa übernehmen. Anfang November 2003 kam es zum Handschlag zwischen Forker und dem CCI-Eigentümer Ron Barry. Am 1. Dezember 2003 wurde der Kauf vertraglich besiegelt.
CCI war 2002 der viertgrößte Druckfarbenhersteller in den USA. Bei den Farben für den hochwertigen Verpackungsdruck belegte das Unternehmen Rang zwei. CCI produzierte rund 20.000 Tonnen Flexo- und Tiefdruckfarben. Neben den lösemittelbasierten Farben waren auch wasserbasierte Lösungen und UV-Anwendungen im Programm. 2002 hatte CCI mit 320 Mitarbeitern rund 85 Millionen Euro umgesetzt. Neben Produktionsstandorten in Des Moines und Spartanburg (South Carolina) gab es in Nordamerika fünf weitere Standorte für Service und Vertrieb sowie vier reine Vertriebsstandorte. 108 Mitarbeiter waren als so genannte In-Houses direkt in den Druckfabriken der Kunden tätig und dort für das Farbmanagement zuständig.
Die Harmonisierung der Produkte und Serviceangebote wurde in Rekordzeit vollzogen. So wurden erfolgreiche Anwendungen aus den USA wie die Flexodruck-Farbserie »Sealtech« in die weltweite Produktpalette übernommen und im Gegenzug Siegwerk-Farbserien auf dem amerikanischen Markt eingeführt.
» Color Converting: In nur 28 Jahren an die US-Spitze – von Kent Shah
Ausbau der technologischen Marktführerschaft
Nach der Übernahme von CCI beschäftigte die Siegwerk-Gruppe Ende 2003 weltweit 1.300 Mitarbeiter in zehn Ländern. Mit der Integration waren viele neue Impulse verbunden, zum Beispiel das Konzept des In-House-Service, also die permanente Entsendung von Mitarbeitern in einen Druckereibetrieb.
In Europa wurde mit dem so genannten Motherplant-Konzept weiterhin eine kontinentweite Versorgung der Kunden sichergestellt. Die Grundfarben und Konzentrate wurden dabei in Siegburg hergestellt, die Weiterverarbeitung und Dosierung der Kundenfarben erfolgte vor Ort in kleineren Landesgesellschaften.

- Vielfalt für die Zukunft – Druckfarben von Siegwerk meistern die vielfältigsten Herausforderungen im heutigen Verpackungsdruck.
Themen wie fälschungssichere Farben für Zollbanderolen an Zigarettenschachteln oder besondere Oberflächenprägungen waren aktuelle technologische Herausforderungen des Unternehmens nach dem CCI-Kauf. Auch andere innovative Siegwerk-Farblösungen kamen in dieser Zeit weltweit zum Zuge. Dazu zählten die PETP-Portionsbeutel für die Gastronomie, in die zum Beispiel kleine Mengen Ketchup, Mayonnaise oder Senf abgefüllt werden. Dafür stellte Siegwerk Primer, Farben und Lacke als Sortiment zur Verfügung, das auf metallisierter Kunststoff-Folie aggressiven Gewürzen, Öl und Säuren gegenüber höchste Füllgutbeständigkeit gewährleistet. Kunden erhalten damit gleichzeitig eine preiswerte Alternative zu vergleichsweise preisintensiven Materialien wie dem Verbundmaterial PET-Alu-PP.
Bei den Süßwaren, die weltweit angeboten werden, standen nach wie vor Kaltsiegelverpackungen aus »Orientiertem Polypropylen« (OPP) für Schokoriegel im Mittelpunkt. Nicht nur der Gehalt an Restlösemitteln ist dabei sehr niedrig, die Farben und Releaselacke garantieren auch eine hohe Blocksicherheit gegenüber den Kaltsiegelmassen. Derartig bahnbrechende Entwicklungen waren und sind nur in enger Kooperation mit Kunden möglich. Ein Beispiel von vielen ist die Kooperation mit dem australischen Verpackungshersteller Amcor-Flexibles bei der Entwicklung des so genannten DeMet-Verfahrens, einem Inline-Druckverfahren mit teilweiser Demetallisierung und Kaschierung auf metallisierter Folie für Verpackungen von Süßigkeiten. Das Inline-Verfahren senkt nicht nur die Kosten im Vergleich zu den bisherigen zwei- oder dreistufigen Verfahren, sondern ist auch optisch eine echte Verbesserung.
Ökonomie und Ökologie
High-Tech für den Umweltschutz – In der modernen Reinigungszentrale haben Lösemittelmoleküle keine Chance zu entweichen – zum Schutz für Umwelt und Arbeiter.
Die 2003 eröffnete Siegwerk-Reinigungszentrale in Siegburg wurde in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen entwickelt. Sie gilt als die größte und modernste ihrer Art in der Druckfarbenbranche. In der Anlage werden Produktionskessel, Tankcontainer und Anlageteile von Farbresten befreit. Die Reinigung erfolgt mit Lösemitteln, die in einer nachgeschalteten Destillationsanlage recyclet und dem Reinigungskreislauf anschließend erneut zugeführt werden. Zur Vermeidung von Emissionen arbeitet die Reinigungszentrale als geschlossenes System. Die flüssigen Farbreste werden in einer Destillationsanlage recyclet. Ein zweiter wichtiger Baustein der Konstruktion ist die Reinigung der Abluft aus den Produktionsbetrieben. Hier werden flüchtige Lösemittel sauber verbrannt, die dabei entstehende Energie wird anschließend weiter verwertet.
Die Übernahme von Sicpa Packaging
Intensive Forschung im Labor in Siegburg, Ausbau des anwendungstechnischen Kundenservice vor Ort – Siegwerk war im Verpackungsdruck auf einem guten Weg, den Anforderungen einer zunehmend globalisierten Welt standzuhalten. Das wichtigste Ziel von Eigentümern und Management, der langfristige Erhalt der unternehmerischen Unabhängigkeit, schien jedoch Mitte 2004 in Gefahr zu geraten. Finanzinvestoren hatten die Druckfarbenbranche als lohnenswertes Ziel entdeckt. Das Investmenthaus CVC fügte die frühere Druckfarbensparte von Akzo Nobel, ANI, mit dem Druckfarbengeschäft des Chemiekonzerns BASF unter dem Namen XSys zusammen. Schon bald war klar, dass der »Hunger« der Investoren damit noch nicht gestillt war. 2005 erfolgte zusätzlich die Übernahme des weltweit zweitgrößten Herstellers »Flint Ink«. Seitdem firmiert das Unternehmen als »Flint Group«.
Das Siegwerk-Management und die Eigentümer handelten schnell. Als bekannt wurde, dass sich der damals drittgrößte Druckfarbenhersteller, die Schweizer Sicpa-Holding, von ihrer Sparte Verpackungsdruckfarben trennen wollte, nahmen Forker und seine Vorstandskollegen sofort die Verhandlungen auf. Am 16. Juni 2005 wurde ein entsprechender Vorvertrag unterschrieben, die endgültige Übernahme erfolgte am 8. September.
» Sicpa Packaging: Innovativ und international – von Gilles Catherin
Die Sicpa-Übernahme verdreifachte die Anzahl der Mitarbeiter auf 4.100 weltweit, die in Niederlassungen und an Produktionsstandorten in 36 verschiedenen Ländern arbeiten. Darüber hinaus führte diese Akquisition zu einer enormen Erweiterung von Siegwerks globalem Netzwerk von Laboren, Werken und Kompetenzzentren, und verbesserte somit maßgeblich die Fähigkeit des Unternehmens, seinen Kunden weltweit individuelle Unterstützung vor Ort bieten zu können.
Die Siegwerk-Familie wächst weiter
Nach weiteren Expansionsschritten in Asien hieß Siegwerk Ende des Jahres 2010 mit der Environmental Inks and Coatings Corporation (EIC) das neueste Mitglied seiner stetig wachsenden Familie willkommen. EIC hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen exzellenten Ruf im Bereich wasserbasierter Druckfarben für das stetig wachsende Schmalbahn-Segment erworben und gehört auf dem amerikanischen Markt zu den größten Anbietern dieser Produkte. Genau wie Siegwerk ist EIC bekannt für die gleichbleibend hohe Qualität seiner Produkte, die Zuverlässigkeit seiner technischen Vertriebsmitarbeiter und seinen herausragenden individuellen Service. EIC ist also eine perfekte Ergänzung der Siegwerk-Familie und leistet einen großen Beitrag dazu, die Position Siegwerks als einer der weltweit führenden Hersteller qualitativ hochwertiger Druckfarben weiter auszubauen.